Mit dem Herzen sehen.

Jeder Mensch kommt immer wieder in seinem Leben an dem Punkt, wo er von alten Verletzungen und Verhaltensmustern überrollt wird. Es sind dann immer die Trigger = Auslöser, Reiz von außen, die Dich in alte bewährte Verhaltensmuster fallen lassen. So passierte es letztens einer jungen Frau.

Sie und ihr Freund hatten sich vor einigen Monaten getrennt. Wegen unerklärlichen starken Herzschmerzen ließ er sich ins Krankenhaus einweisen und rief seine Ex an, um sie zu informieren. Die Frau – nennen wir sie Lena – reagierte sofort, ließ alles stehen und liegen und besuchte ihn in der Notfallaufnahme. Sie hatte zwar schon 11 Stunden gearbeitet, doch das war ihr wichtiger. Auch den nächsten Abend besuchte Lena Markus im Krankenhaus. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon Entwarnung – es war bereits alles überprüft und er konnte am nächsten Tag entlassen werden. Außer einem Anruf, mit der Frage von Markus wo sie sein Auto hingestellt hatte, hörte sie dann die folgenden Tage gar nichts mehr von ihm.P1040650

Typisch war es für Lena war sofort zu helfen und für ihn da zu sein. Sie fühlte sich ihm sehr verbunden und es war eine Selbstverständlichkeit für sie. Es entsprach ihrem Verhaltens- und Kommunikationsmuster für den Anderen da zu sein und in eine enge Verbindung zu gehen. Das erwartete sie dies auch in den Tagen nach der Krankenhausentlassung von Markus. Zumindest erwartete sie ein Dankeschön und irgendetwas an Kommunikation. Für den war jedoch business as usual und er hatte überhaupt kein Bedürfnis mehr sich bei seiner ehemaligen Lebenspartnerin zu melden. Für Markus ging der Alltag weiter wie bisher und er verschwendete keinen einzigen Gedanken mehr an Lena.

Die andere Seite – Lena – kam sich ausgenutzt vor. Sie dachte, wenn es ihm schlecht geht, dann meldet er sich und danach ist alles wieder so wie vorher. Für sie war es deswegen unverständlich, da es in ihrem Denken und Handeln selbstverständlich ist, auch anschließend zumindest in irgendeiner Form noch in Kontakt zu bleiben. Das sind die kommunikativen Frauen. Im Gegensatz zu den Männern, die in Höhlen leben und für die, zumindest in dem Fall Markus, der Krankenhausaufenthalt schon Schnee von gestern war und er auch keine Lust hatte mit seiner Ex zu telefonieren oder smsen. Halt sehr pragmatisch und einfach.

Und das ist gleichzeitig das Üble an Erwartungen. Du kannst sie haben, jedoch oft ist es so, dass Dein Gegenüber es ganz anders sieht oder anders handelt. Und dann stehst Du da mit Deiner nicht erfüllten Erwartung und bist ent-täuscht.

Solche Situationen werden in Ihrem Leben zu Hauf passieren. Aus ihrer Biographie heraus reagieren Sie auf bestimmte Auslöser wie automatisch, ohne darüber nachzudenken und erwarten bestimmte Sachen auch automatisch von Ihrem Gegenüber. Aber Ihr Partner sieht es vielleicht ganz anders, weil er anders denkt, lebt und fühlt. Die große Kunst des Miteinanders ist es sich selbst auf die Spur zu kommen. Das ist auch gleichzeitig die Kunst einer wahrhaftigen, langlebigen Beziehung. Sie sind mit ihrem Mann oder Ihrer Frau zusammen, weil sie sich lieben, voneinander lernen und oft sich einander ergänzen. Dieses einander ergänzen braucht jedoch viel Zeit, Achtsamkeit und Respekt. Sich selbst und dem Partner / der Partnerin gegenüber. Oft passieren, nach der ersten Verliebtheit, viele unbewusste Aktionen – Reaktionen zwischen Paaren, die, wenn sie nicht aufgedeckt werden, langsam aber sicher ihre Beziehung vergiften.

Wenn eine Frau, die gerne kommuniziert, auf einen Mann trifft, der eher mit sich ist und weniger oder nicht kommuniziert, bedarf es viel Liebe, Zeit, Üben und Kompromisse finden, wie beide zu ihrem Recht kommen. Oft passiert es, dass es eine(r) oder beide es persönlich nehmen, da sie Ähnliches bisher in der Kindheit / Familie / frühere Beziehungen erlebt haben.

Und der, meiner Meinung nach, fast einzige heilsame Weg ist sich selbst auf die Spur zu kommen. Wie ein Forscher. Sie zu entdecken, warum Sie so handeln, fühlen, sich in die Ecke gedrängt fühlen, übergangen, benutzt, vorgeführt oder Ähnliches. In der ersten Reaktion wird es dem Gegenüber, der es ausgelöst (= getriggert) hat, zugeschrieben. Das er/sie es bei Dir ausgelöst haben. Die Wahrheit ist jedoch, dass Du das Verhalten Deines Gegenübers  von früher her kennst und daher so automatisch reagierst. Es gilt herauszufinden, woher die Quelle dieser alten Verhaltensmuster kommen. Gehe in Dich hinein. Spüre Dich und Deine Reaktionen. Gehe mit Deiner Energie.

Bei Lena gehört es zu ihrem Leben, sich auszutauschen und zu kommunizieren. Sie hat einen ausgeprägten Sinn dafür, was hinter den Fassaden der Menschen und dem nicht sichtbaren vorgeht. Wenn jemand etwas sagt und anders handelt oder anders fühlt, dann spürt sie dies sofort. Dies war bereits in ihrer Kindheit prägend. Doch ihre Eltern haben nicht mit ihr geredet und oft doppeldeutige Botschaften ausgesendet. Z.B. hat die Mutter oft zu ihr gesagt, dass es ihr gut ging doch die kleine Lena spürte, dass dem nicht so war. Und ihr Vater hat gar nicht mit Lena geredet. All dies hat dazu geführt, das für Lena es umso wichtiger war mit ihr nahestehenden Menschen, wie Partner, Freunde in einer tatsächlich offenen, tiefen, authentischen Kommunikation zu sein. Doch nicht alle Menschen aus ihrer Umgebung sind dafür geschaffen. Dann ist es umso wichtiger, das Lena einerseits lernt, das dies nicht direkt Ablehnung bedeutet und andererseits sie zusätzlich andere Kanäle der Kommunikation erlernt, die für ihre Partner einfacher und leichter sind. Denn für jeden Menschen gibt es einen anderen Weg, wie er in die Welt tritt und mit den Menschen in Kontakt sein kann und möchte.P1040470

In diesem Sinne, viel Freude und viel Liebe beim Erforschen!

 

 

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmail

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.