Das Leben zu zweit! Die aktive Frau und der passive Mann.

Immer wieder habe ich mit Ehekrisen, Paarkonflikten und Paarberatung in meiner Coachingpraxis zu tun. Und oft sind es immer wieder dieselben äußeren Verhaltensweisen: ein Partner zieht sich zurück, verliebt sich in jemanden anderen oder hat sich so, wie das Leben zu zweit verläuft, die Beziehung nicht vorgestellt, während die oder der ehemals geliebte Partner an der Beziehung festhält, nichts merkt, nichts verändern möchte oder einfach nur in seiner eigenen Welt lebt.

Ein, von mir sehr geschätzter, Lehrer hat mal gesagt: „Mehr als 50% der Paarkonflikte sind übernommen aus den Erfahrungen der Herkunftsfamilie von Mann und Frau.“ Das heißt, was wir aktuell mit unserem Partner/unserer Partnerin konflikthaft leben, kennen wir aus unserer eigenen Familie, wurde uns vorgelebt, haben wir übernommen und ist uns meist nicht bewusst.

Wenn wir uns verlieben, dann meist in einen Menschen, der die Qualitäten und Eigenschaften hat, die wir entweder selber noch nicht leben, gerne haben möchten oder tief in uns selbst verbuddelt sind. Wie oft begegnen mir z.B. Paare, in Kombination der disziplinierten, klaren, aktiven, und eher strengen Frau, die Haushalt, Familie und Kinder unter Kontrolle hat und einem Mann, der eher etwas langsam, phlegmatisch, spielerisch, freiheitsliebend und unverbindlich erscheint.

Young couple sitting on the sofa after quarrelSie hat immer alles im Griff, schmeißt den Haushalt, hat einen Vollzeit- oder Teilzeitjob, bringt vor der Arbeit die Kinder noch in den Kindergarten, kocht am Wochenende für die Woche vor, wirft abends die dreckige Wäsche in die Waschmaschine, ist selbstverständlich in ihrem Job erfolgreich und weiß, was sie am Wochenende mit der Familie unternehmen möchte.

Und der Mann? Er hinkt immer ein wenig hinterher, wirkt offen, herzlich und ein wenig passiv, manchmal auch phlegmatisch. Vom Erscheinungsbild ist er eher ein Chaot, widmet sich gerne seinen Hobbys und den schönen Dingen des Lebens, hat es weniger mit der Ordnung oder den lästigen Alltagspflichten. Wenn die Frau ihn auffordert, macht er selbstverständlich alles gerne, auch wenn er von sich aus den Schmutz selten sieht. Sein Beitrag im Haushalt besteht eher in den handwerklichen Reparaturen, die er dann macht, wann er es für richtig hält. Und natürlich geht es der Frau immer alles zu langsam.

Wenn Sie das lesen, denken Sie bestimmt:
a)      Wie soll das denn gut gehen? oder
b)      Kenn ich – bei uns läuft es genauso.

Wie kommt es, dass scheinbar so unterschiedliche, gegensätzliche Menschen zueinander finden und sich ineinander verlieben? Weil wir unbewusst die Menschen als Partner oder Partnerin wählen, die das leben, was wir noch nicht können – uns aber unglaublich gut tun würde. Der aktiven Haus-, Karrierefrau und Mutter würde es gut tun, wenn Sie nicht immer nur funktioniert, mal einen Gang zurückschaltet und den Sinn ihres Lebens nicht nur in einem funktionierenden Haushalt finden würde – sondern wenn sie sich manchmal auch den schönen Künsten des Lebens, den eigenen Hobbies, der Entspannung, dem Müßig-Gang und der unbeschwerten Fröhlichkeit hingibt.

Und dem Mann? Dem würde es natürlich ebenso gut tun, aktiv etwas zum gemeinsamen Leben beizutragen, Präsenz und Verantwortung für die Pflichten und die Struktur zu übernehmen sowie auch mal zuvorkommender oder auch etwas eher zu handeln und bei manchen alltäglichen Abläufen genauer hinzuschauen, ob er nicht etwas übernehmen kann. Und ja, er ist auch gerne bei der gemeinsamen Freizeitgestaltung gesehen.

Und beiden tut es gut, in ihrer Eigenart von ihrem Partner/Partnerin gesehen zu werden. Anerkannt zu werden, wie jeder ist. Einerseits die guten Seiten des Gegenübers wahrzunehmen und dies auch auszusprechen. Wenn sich die Menschen in einer Beziehung so angenommen fühlen, wie sie sind und beide eher mit Humor und Großzügigkeit an die gemeinsamen Herausforderungen gehen können, dann wird sich der Mann oder die Frau eher verändern.

Dies funktioniert aber nur, wenn die Basis – die LIEBE – in der Partnerschaft vorhanden ist. Wenn Funktionieren-Müssen, Streiten, Kontrollieren und Diskutieren im Vordergrund steht, weicht das Gefühl füreinander. Jetzt geht es erst mal wieder darum herauszufinden, welche Bedürfnisse jeder hat. Wo möchte er oder sie wahrgenommen werden? Was braucht es, damit beide sich mit ihren Bedürfnissen ernst genommen fühlen? Wenn das Zusammenleben mit dem Anderen wichtiger ist, als das Durchsetzen der eigenen Persönlichkeitsstruktur, dann hat die Liebe und die Weiterentwicklung der Partnerschaft eine Chance.

Und geben Sie nicht so schnell auf. Denn mit dem nächsten Mann oder mit der nächsten Frau wird es nicht zwangsläufig anders, wenn sie unbewusst dieselben Muster weiterleben. Es wird einen Grund gehabt haben, dass Sie sich in genau den Menschen verliebt haben, mit dem Sie zusammenwohnen. Erforschen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse, Muster, Verletzungen, Projektionen auf Ihren Partner. Bitte beachten Sie eins: Sie können nur sich selbst ändern, niemals ihren Partner!!! Tuen Sie sich etwas Gutes, halten Sie Innenschau und verändern Sie bei sich, was Sie glauben, was nötig ist.

Wenn Sie Lust haben, schreiben Sie mir von Ihren Paarerlebnissen. Vielleicht haben Sie sich ja in dem einen oder anderen Satz oben wiedergefunden. Herzlich Willkommen!

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