Tabus – Probleme mit Sex?

Immer wieder stelle ich fest, dass es in unserem Alltag mehr Tabus gibt, als man in unserem aufgeklärten Land glauben würde. Zum Beispiel vermisse ich Gespräche über Sexualität. Das Thema, welches in den Medien oft präsent ist, worüber ein Hype gemacht wird und welches dadurch den Anschein erweckt, dass wir doch alle so aufgeklärt und offen sind. Ehrlich gesagt, das Gegenteil erlebe ich in meinem beruflichen und privaten Netzwerk. Wenn ich mich umschaue, so wird scheinbar nicht darüber gesprochen.

Wo sind die lebendigen, wahrhaftigen, authentischen Dialoge: über Intimität, Körperlichkeit, Berührung, Leistungsdruck in der Sexualität; wie schnell soll das Paar den Orgasmus erreichen – alleine oder zusammen; Unterschiede in der Schnelligkeit und Sensibilität zwischen Mann und Frau, Phantasien, Erregbarkeit, Lustlosigkeit, Übergang vom Mädchen zur Frau, die Tage vor den Tagen;  Psychostress: er will ständig, sie ist nur froh Kinder und Haushalt geschafJohanne Kläger Blog Coaching Krefeldft zu haben, er will schnell, sie braucht Zeit, er bekommt seinen nicht mehr zum stehen, sie fühlt nichts mehr, sie möchte einiges anders, weiß aber nicht was, er versteht sie nicht, was sie hat, „Was Du immer hast..“. Sie will neue Techniken ausprobieren, er ist mit der Missionarsstellung zufrieden. Oder er möchte immer, dass sie oben liegt, damit er sich auch mal entspannen kann, doch sie findet sich da oben zu exponiert.

Interessiert es keinen? Oder traut sich keiner?

Sind dass alles Themen, die Sie mit sich alleine ausmachen oder im besten Falle vielleicht doch mit dem eigenen Partner/ der Partnerin? Wo sind die Themen im Alltag, die uns doch alle mehr oder weniger beschäftigen? Wer redet mit seinem Kumpel darüber? Und wo sind die langjährigen Freundinnen, die sich doch normalerweise alles erzählen? Nur dieses Thema wird ausgeblendet, als gäbe es das in der Welt der Paare und Singles nicht.

Meine Vermutung ist: es ist uns peinlich darüber zu sprechen. Es ist schambesetzt, voller Unsicherheiten und noch lange nicht in unserer alltäglichen Welt so selbstverständlich angekommen, wie die Medien es uns vorgaukeln. Oder glauben wir tatsächlich, wir hätten alles so gut im Griff, das wir nicht mehr darüber reden brauchen? Oder glauben wir, wie unsere Eltern, das ist zu intim und privat, das geht keinen was an – was soll denn der Nachbar denken? Machen wir uns nichts vor – die Entwicklung der eigenen Sexualität hat in ihrer Selbstverständlichkeit unserem Leben lange nicht den Platz gefunden, wie es die Wichtigkeit, die Sehnsucht und die täglichen Bedürfnisse danach vermuten lassen.

Ich freue mich darüber und ertappe mich dabei, wie ich auch gleichzeitig erstaunt über den Mut bin, wenn Menschen über ihre sexuellen Bedürfnisse und Erfahrungen offen sprechen. Damit meine ich keine Reden vor großem Publikum, You-Tube Videos oder Sex-Kolumnen. Was mich berührt, ist das Gespräch unter Freunden, unter sich vertrauten Menschen: „Hör mal zu. Wir machen es so und ich komme damit nicht zurecht. Wie macht Ihr das oder wie gehst Du damit um?“ oder „Wir finden mittlerweile keine Zeit mehr für Sex, bei uns ist der Zug abgefahren. Das macht mich einerseits traurig, andererseits bin ich froh, dass ich mit dem sexhungrigen Verhalten meines Mannes nicht auseinandersetzen muß.“

Oder, oder, oder…., für den ein oder anderen mag das ein wenig wie Seelenstriptease klingen, wozu er oder sie nie den Mut aufbringen würde. Doch es geht auch jetzt nicht um höher, länger, schneller, ekstatischer, sondern um kleine Schritte des aufeinander Zugehens mit den Themen, die für uns alle eine zentrale Bedeutung haben. Und die erfahrungsgemäß auch d-i-e Grundlage für persönliches Wohlbefinden, Stärkung des Selbst, gute Erdung im eigenen Körper, stabile Verbundenheit in der Partnerschaft sowie steigernde Glücksgefühle bedeuten können.

Und da sprechen wir lieber über Fußball und Haushalt als über die eigene Sexualität?

Ich glaube, wenn jeder einen kleinen Schritt der Öffnung, des sich Zeigens gegenüber vertrauten Menschen macht, dann kann aus dem stillschweigenden, schambesetzten, praktizierenden Regelwerk des für-sich-behalten ein offener, lebendiger, nährender Austausch werden. Und dabei werden wir alle merken, dass wir mit unseren Hoffnungen, Sorgen, Freuden und Nöten nicht alleine sind. Ist das nicht eine beruhigende Perspektive?

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