Wenn das Leben keinen Wert hat.

Andreas sieht in seinem Leben keinen Sinn mehr. Sein Leben lang hat er gekämpft, doch jetzt hat er keine Kraft mehr. Er fühlt sich hilflos, verzweifelt und spielt mit dem Gedanken seinem Leben ein Ende zu setzen.

Was ist passiert?
Ihm ist gekündigt worden. Das hat ihn tief getroffen. Aber wenn er ehrlich ist, hat es ihm schon lange nicht mehr auf der Arbeit gefallen. Was jetzt tun?
Den alten Job möchte er auf keinen Fall mehr machen, Andreas hat aber auch keine Idee, wohin die Reise gehen soll. Das macht ihn oft mutlos. Zudem ist er ständig müde, fühlt sich innerlich leer und macht sich Sorgen um seine Finanzen. Bisher hat er sich noch nicht getraut, mit seiner Freundin über seine Verzweiflung zu sprechen. Seine Freundin geht jeden Tag zur Arbeit, wie all seine Bekannten. Nur er bleibt zu Hause. Er versinkt dann in seiner düsteren Welt, findet sich nutzlos und sieht keinen Weg heraus. Und in seinem Gedankenkarussell erinnert er sich an frühere gescheiterte Erlebnisse. Seine Scham ist groß.Wenn das Leben keinen Wert hat

Von außen betrachtet, würde der Betrachter vielleicht sagen: was hat er denn? OK, er hat zwar keine Arbeit und es ist finanziell eng, aber er hat eine Freundin, einen großen Bekanntenkreis, eine Wohnung, ist gesund und attraktiv.  Er sieht das anders und spielt mit dem Gedanken, dass es besser wäre, wenn er sich das Leben nehmen würde. Nach außen spielt er seine Fassade: ist freundlich, hilfsbereit, hat für alle Verständnis und zeigt seine wahren Gefühle nicht. Und keiner ahnt, wie es in seinem Innern wirklich aussieht.

Erstaunlich viele Menschen haben ihrem Leben irgendwann einmal Selbstmordgedanken. Vor allem Jugendliche erfahren ihre Lebenszeit oft als überfordernd: sie erleben sich als anders; kommen mit ihren Gefühlen und ihrem scheinbar launischen Innenleben nicht klar; ihre Sexualität ist eine Herausforderung und es scheint als würde ihre komplette Welt, von Schule bis Familie, auf den Kopf gestellt. Oft erleben sich Menschen mit Suizidgedanken auch als minderwertig und als würden sie der Welt nicht genügen.

Diese Anhäufung von unterschiedlichen Problemen und der verbundenen Scham darüber zu sprechen, lässt einige Menschen ihre Lage als aussichtslos erscheinen.

Wie kommt es, dass die Seele solche Kapriolen spielt?
Das Krisenzentrume Dortmund, www.krisenzentrum-dortmund.de fasst zusammen:

  • Selbsttötungsgedanken sind zumeist Ausdruck einer tiefen Lebenskrise, die, entgegen der augenscheinlichen Lage, überwindbar ist.
  • Suizidgedanken haben Gründe: oft eine lange Kette von Enttäuschungen, Demütigungen und gescheiterten Lösungsversuchen.
  • Gefährlich sind die Auslöser, das sind die kurzen, von außen oft unspektakulär erscheinenden Situationen, die wie der Tropfen wirken, der das Fass zum Überlaufen bringt.
  • Massiv belastende Probleme und Krisen gehören zum Leben jedes Menschen und machen uns stärker, wenn wir sie im Leben lösen.
  • Hinter Suizidgedanken steht meist der sehnliche Wunsch nach einer radikalen Lösung, nach Ruhe und schneller Befreiung von einer starken Belastung oder ein Hilferuf und nicht der Wunsch, tot tatsächlich zu sein.

Was kann Andreas für sich im ersten Schritt tun?
Wirkliche Erleichterung und Entlastung ist das Unvorstellbare, die Gedanken des Selbstmordes offen auszusprechen und damit das Tabu zu brechen. Sich einem Menschen anzuvertrauen, entlastet ungemein. Damit durchbricht er die Mauer der Einsamkeit sowie der Scham und ist einen Schritt aus der Ausweglosigkeit gegangen. Denn das Gefühl, dass er mit seinen Problemen alleine da steht, kann die Ohnmacht noch erhöhen. Wichtig ist, dass Andreas auf seine Intuition hört und sich dem Menschen anvertraut, bei dem er sich gut aufgehoben fühlt.

Hilfreich ist es auch, wenn er seine Gedanken aufschreibt, z.B. täglich seine Gefühle und sein Erleben in ein Heft aufzeichnet. Dabei ist wichtig, dass er unzensiert alles aufschreibt, auch dass was er vielleicht niemanden erzählen würde. Denn das Aufgeschriebene ist eine Form des Verarbeitens und er kommt sich selbst ein Stück näher.

Für manche ist es z.B. leichter sich unbeteiligten Menschen anzuvertrauen. Hier gibt es viele Hilfemöglichkeiten, wie Beratungsstellen, Therapeuten, Coaches, Telefonseelsorge -Tel: 0800 – 111 0 111, Ärzte etc.

Eine weitere Möglichkeit ist auch der Austausch in Internetforen, wie www.suizid-forum.com – hier können Betroffene das loswerden, was sie sich woanders vielleicht nicht trauen.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass das Gefühl des Anders-Sein, die Ohnmacht, die Hilflosigkeit sowie die Einsamkeit und das Gefühl selbst nicht dem allgemeinen Normen zu entsprechen, aus der Tabuzone geholt wird und wir Menschen wieder anfangen, wirklich miteinander zu sprechen. Und wir uns nicht hinter dem Schein und der Fassade verstecken. Und das kann jeder tun, nicht nur Menschen die so fühlen. Denn es ist normal, verschieden zu sein.

Wenn einer sich traut und beginnt zu erzählen, wie er sich wirklich fühlt, öffnet das für Gleichgesinnte die Türen. Es ist eine Möglichkeit aus seinem Versteck zu kommen und sich doch nicht so alleine zu fühlen, wie man bisher gedacht hat.

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